Projektidee 2019:

George Orwells 1948 erschienener Roman »1984« beschreibt die düstere Vision eines totalitären Überwachungsstaats.

»1984« ist der meistgelesene Science-Fiction-Roman der Weltliteratur und gilt als Klassiker.
Beeinflusst von Stalinismus und deutschem Nationalsozialismus entwirft George Orwell im Jahre 1948 ein beklemmendes Zukunftsszenario in einem totalitären Überwachungsstaat, das den Leser zu einem Vergleich mit seiner Gegenwart zwingt.

Die Parole »Big Brother is watching you« hat Eingang in Umgangssprache und Alltag gefunden, um die zunehmende Überwachung auch in demokratischen Systemen zu kritisieren. Wobei widersprüchlich dazu die Boulevard-Medien (wie RTL) den Begriff „Big Brother“ durch eine, wenn auch perfide, Unterhaltungssendung (gewollt oder nicht) abgeschwächt haben und man ihn landläufig somit nicht mehr als etwas zwangsläufig Bedrohliches ansieht.

Orwells sinnstiftende Erzählung ist zeitgemäßer denn je.
Im Roman steht: „Die Partei lehrte einen, der Erkenntnis seiner Augen und Ohren nicht zu trauen. Das war ihr entscheidendes, wichtigstes Gebot.“
Diese Sätze wurden nach der Vereidigung von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten oft auf Twitter zitiert.
Und seine Beraterin Kellyanne Conway schuf „alternative Fakten“.
Die Formulierung wurde sofort auf der ganzen Welt zum geflügelten Wort für die Beschönigung einer Lüge.

„Fake news“ sind derzeit ein viel und akut diskutiertes Phänomen, insbesondere auch unter seriös arbeitenden Journalisten. Die angsteinflößende umfassende Überwachung in „1984“ findet ihr heutiges Pendant in Netflix Serien wie „Black Mirror“, die beispielsweise negative Seiten der Digitalisierung bzw. deren (Aus)Nutzung durch Lobby und Politik. Die bitterböse satirische Serie über die weltweite Euphorie um Technik hält uns die Realität im ‚Black Mirror‘, im schwarzen Spiegel der Wahrheit, vor und präsentiert uns die Kehrseite der Medaille unserer modernen Kommunikationsgesellschaft – ebenso mit deutlicher Anlehnung an Orwells „1984“.

Zusammen mit dem Regisseur Jens Dornheim (u.a. künstlerischer Leiter des glassbooth Theater und 1. Vorstandsvorsitzendem des Theater im Depot Dortmund), der dafür bekannt ist, unbequeme und abgründige Stoffe anzupacken, dem Musiker Danny-Tristan Bombosch, der bereits einige Filme vertont hat und für Trias Theater z.B. „Das Totenschiff“ klanglich eindrucksvoll untermalte), den Filmemachern Stefan Bahl und Dirk Gerigk (bs-films.de) die bereits visuelle Ideen für die Bühne zu dem Stoff entwickelt haben, sowie den Schauspielern Frank Tengler, Lea Fleck und Ulrich Penquitt die das Geschehen ins szenischer und performativer Weise begleiten werden.

Ausgangspunkt der Arbeit sind die Fragen:
Wie verhält sic h „1984“ zur aktuellen Lebenssituation?
Haben heutige Strukturen, und nicht nur Diktaturen und Monopolsysteme, ein Szenarium entwickelt, das die beängstigende Sicht des Romans schon überholt und perfidere oder brutalere Verhältnisse geschaffen?
Was hat der Roman beschrieben, was heute bereits gängige Praxis geworden ist?
Heißen die aktuellen „big brothers“ möglicherweise Apple, Google und co?
Kann man die heutigen Unterdrückungsmechanismen in der Romanidee noch entdecken?
Lässt die heutige Technik nicht viel umfangreichere Überwachung zu ?